Im Zentrum der Veranstaltung "MACHT Gefängnis SINN?" steht die kritische Diskussion der gegenwärtigen Situation des (bayerischen) Strafvollzugs. Die dringend notwendige grundlegende Reform des Strafrechtssystems soll befördert werden. Alternativen zur Haft und neue Formen der Behandlung im Vollzug werden aufgezeigt. Die Veranstaltung soll zudem einen Impuls für die Überarbeitung der Denkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 1990 geben. Gestaltet wird die Veranstaltung von der Evangelischen Gefängnisseelsorge in Bayern und dem Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe im Diakonischen Werk Bayern (FEWS).

 

Das subjektive Gefährdungsgefühl in der Gesellschaft ist gleichbleibend hoch und korrespondiert nicht mit den größtenteils sinkenden Kriminalitätsraten. Der Fokus öffentlicher Wahrnehmung einer Straftat liegt vor und während des gerichtlichen Verfahrens. Nach Verhängung der Strafe und mit Beginn des Freiheitsentzuges erlischt das Interesse von Medien und Öffentlichkeit sehr schnell.

 

Studien wie die von Steffen Bienek und Christian Pfeiffer zu „Viktimisierungserfahrungen im Justizvollzug“ sowie kriminologische Forschung zur Wirksamkeit des Strafvollzugs und Berichte von Praktikern im Vollzug zeigen die Reformbedürftigkeit des Systems Gefängnis auf. Angesichts der häufig multiplen Problemlagen vieler Inhaftierter wie Suchtgefährdung, Überschuldung, psychische Auffälligkeiten und fehlende tragfähige soziale Netze außerhalb des Gefängnisses stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Bestrafung durch Wegsperren. Dies auch mit Blick auf die mitbestraften Dritten. Gefängnis macht bei vielen Inhaftierten gerade keinen Sinn! Es ist nicht selten Ausdruck von purer Hilflosigkeit.

 

Dabei gibt es bereits Alternativen zum Strafvollzug. Aber leider nicht mit entsprechender Finanzierung und den dafür notwendigen Ressourcen. Schwitzen statt Sitzen, Täter-Opfer-Ausgleich für Jugendliche und auch für Erwachsene, Mediation und Restorative Justice. Aber auch die Behandlung im Vollzug bedarf dringend einer inhaltlichen Weiterentwicklung. Im Mittelpunkt der Kritik steht die "totale Institution Gefängnis" (Erving Goffmann) und nicht die Mitarbeitenden in den Justizvollzugsanstalten, die unter schwierigen und belastenden Rahmenbedingungen ihren Dienst leisten müssen.

 

 

Evangelisch-Lutherische Kirche mit ihrer Gefängnisseelsorge und Diakonie in Bayern mit ihrem Fachverband Evangelische Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe (FEWS) wollen mit dieser Veranstaltung ein Zeichen setzen und auf die ungenügende Situation in den Gefängnissen hinweisen.